Home

Stiftungsbrief von 1898

     
    Muldenstein, 20. Januar 1898
Sehr geehrter Herr Pastor!    
     

Sie empfangen anbei die Ihnen zugesicherten M 100,00 für dieses Jahr zur Gründung eines Gesangsvereines in Muldenstein. Für jedes weitere Jahr behalte ich volle Freiheit, werde aber rechtzeitig mich entscheiden, ob ich weiter zahle.
Vor allen Dingen wünsche ich, daß verschwiegen bleibt, wer das Geld zahlt, auch alle Andeutungen bleiben.
Meine Absicht ist in erster Linie den Kirchengesang zu heben und dadurch vielleicht auch dazu beizutragen, daß der jüngere Nachwuchs die Kirche öfters besucht.
Aus diesem Grunde lege ich besonderen Wert darauf, daß der Kantor sich Mühe gibt, die jüngeren Burschen und Mädchen mit zu den Singestunden heranzuziehen; weshalb es wohl angezeigt erscheint, die Singestunden in der Schule abzuhalten und des Abends nicht zu lange auszudehnen.
Von dem Geld sollen M 30,00 als Entschädigung für den Kantor, das Übrige zur Bestreitung von Ausgaben für Liederbücher, Noten, Heizmaterial, Licht und ein etwaiger Rest als Beihilfe für eine vielleicht jährlich abzuhaltende kleine Festlichkeiten dienen. Den Kantor bitte ich für seine Bemühungen vierteljährlich postnumerando zu honorieren.
Ganz  Ihrem Ermessen stelle ich es anheim, ob Sie mir den Jahresabschlußnachweis über das verwendete Geld geben wollen.
An Kirchlichen Festtagen und wenn es angemessen erscheint, die Feier durch besondere Gesänge zu erhöhen, sollen namentlich Mitglieder dieses Gesangsvereines herangezogen werden und sollte es mich freuen zur Besserung des Gesanges beigetragen zu haben.

     
    Hochachtungsvoll gez. A. Meisel
(Abschrift eines Briefes von Ing. A. Meisel Rittergutsbesitzer zu Muldenstein an
Pastor Gustav Franz Vorbrodt, Altjeßnitz)